Von der “Massenunistadt” zur Heimatstadt

Veronika ist eine Studentin der Universität zu Köln. Sie erzählt von ihren Eindrücken, als sie mit 19 Jahren nach Köln kam und davon, wie sie die Stadt heute erlebt.

Während draußen die Luft vor Hitze flimmert, ist es im Foyer des Hotels Motel One in der Tel-Aviv Straße angenehm kühl.

Veronika lehnt sich lachend zurück im Sesseln und streicht sich ihren Pony aus dem Gesicht. Sie denkt gerade zurück an ein Erlebnis an ihrer Universität.

„Ja, also das war schon witzig so im Nachhinein. Man muss sich ja nur mal vorstellen, plötzlich kommt da eine Wasserfontäne von der Decke herunter, und alle Bücher und Rechner und Studenten sind einfach nur nass…“, wieder muss sie lachen und erzählt schließlich von einer Bibliothekarin, die wild mit den Armen herumfuchtelt und das Wasser anschreit, als könnte es etwas dafür.

„Irgendwann kamen dann die Bauarbeiter, ganz bedacht darauf, ja nicht zu schnell zu sein. Und sie stellten nur einen kleinen Eimer und alles spritzte daran vorbei.“

Veronika ist Studentin in Köln. Die Jahre bis zu dem Abschluss ihres Abiturs lebte sie mit ihrer Familie in Aachen, danach in Bonn.

Mit 19 bewarb sie sich an der Universität und belegte die Fächer Germanistik, Geschichte und Französisch.

Ihre Liebe zu dieser Sprache entdeckte sie nach einem einjährigen Aufenthalt in Paris, aber ihr Schwerpunkt ist Germanistik. Sie überlegt sich vielleicht Lehrerin zu werden, vielleicht auch im kulturellen Bereich tätig zu werden. Ehrenamtlich leitet sie schon seit zwei Jahren eine Jugendgruppe des Roten Kreuzes und ist in der letzten ganzen Juliwoche für unsere Gruppe da. Während wir uns komplexen journalistischen Tätigkeiten widmen organisiert sie das Abend – und Freizeitprogamm und sorgt dafür, dass auch niemand verhungert.

Ihr früheres Hobby war es, Tagebücher zu schreiben und Gedichte zu verfassen. Durch ihr Studium hatte sie nur noch wenig Zeit für diese literarischen Aktivitäten übrig. Das findet sie sehr schade.

Die gebürtige Aachnerin empfand die Großstadt Köln in der Anfangszeit ihres Studiums als hässlich und unattraktiv. Kein Ort für sie, an dem sie freiwillig leben wollen würde. Eine Zeit lang überlegte sie sogar, in Münster weiter zu studieren.

Besonders schlimm ist ihre Anfangszeit gewesen, so erzählt sie.

„Die Kölner Universität ist einfach so eine Massenuni. Und die Stadt selber hatte keinen Charme.“

Eine Universität, an der sich vor allem die jüngeren Jahrgänge und Studienanfänger um Plätze im Hörsaal streiten müssen.

Außerdem gehören dazu die ständigen Bauarbeiten an der Universität, die einen unheimlichen Lärm verursachen und es den Studenten damit schwer fällt, sich zu konzentrieren.

Daher auch der Wasserschaden in der Bibliothek, an den sie mit einem Grinsen denken muss.

Jedoch wandelt sich ihr Blick auf Köln langsam.Was vorher für sie eine hässliche Stadt im Rheinland war, ohne schöne alte Häuser, weil diese während des zweiten Weltkrieges zerbombt wurden, verwandelte sich in die Stadt, in der Veronika zuhause ist. Hier fand sie Freunde und findet die Möglichkeit, in einer Band Posaune zu spielen. So konnte sie die Kölner Kneipen auch einmal anders erleben, nicht nur als Gast sonder auch als Entertainerin.

Was das Kölner Studentenleben betrifft, kann sie uns einige gute Insidertipps geben. Sie kennt viele versteckte Kneipen in Ehrenfeld ein Stadtteil, der nicht so von Touristen überfüllt ist wie die Zülpicherstraße in der Südstadt.

Im Sommer geht Veronika oft ans Rheinufer oder nach Rhodenkirchen, während im Winter die Anzahl der schönen Plätze begrenzt ist.

Mir fällt dabei ganz besonders ein Ereignis ein, das im Winter stattfindet: Der Kölner Karneval.

„Also in der Pubertät empfand ich den Karneval in Köln immer richtig ätzend, aber jetzt geht es“, sagt sie. Sie fügt außerdem hinzu, dass sie damit nicht den Vereinskarneval meint, sondern von dem Brauch verkleidet in die Kneipen zu ziehen.

Heute lebt Veronika in einer dreier-WG und kann sich im Moment nicht vorstellen, alleine zu wohnen. Das liegt vielleicht daran, dass sie vier Geschwister hat und unter ihnen die Älteste ist.

„Es wäre schön gewesen, eine ältere Schwester zu haben, aber ich bin so zufrieden“, sagt sie lächelnd und nickt dabei. „Deshalb bin ich es auch so gewöhnt, immer von Menschen umgeben zu sein.“ Ein gutes Gefühl – und dieses Gefühl wird Köln ihr immer geben.