Ein einziger Tag
Ein einziger Tag kann ein ganzes Leben verändern.
Bei Monty war es ein Tag vor acht Jahren. Der Tag an dem er mit seiner ersten großen Liebe in Würzburg unterwegs war, die beiden waren seit vier Jahren zusammen. Ein anderer Mann belästigte seine Freundin, Monty griff ihn an. Anfangs war es nur ein Handgemenge, dann zog der Mann ein Messer, Monty nahm seine Flasche und prügelte auf ihn ein.
Nun ist der Mann halb gelähmt. Monty kam für sieben Jahre ins Gefängnis, wegen versuchtem Totschlag.
Seitdem ist nichts mehr wie es war.
Monty ist ein 28-jähriger Mann. Er ist kräftig gebaut und hat viele Tattoos auf seinem Arm, die alle eine kleine Geschichte erzählen. Sein Gesicht sieht verbraucht aus.
Ich traf ihn auf der Straße und fragte ihn, ob er mir seine Lebensgeschichte erzählen könne.
Er willigte ein und begann mit seiner Schulzeit. Er war mal auf dem Gymnasium, hatte einen Schnitt von 1,9. Doch Latein machte ihm schwer zu schaffen und so kam er auf die Realschule. Dort wurde jedoch seit vier Jahren Englisch unterrichtet, was er zuvor nicht hatte. Er konnte keine vier Jahre in einem nachholen und landete auf der Hauptschule. Nun hat er einen Hauptschulabschluss.
Seit einem Jahr ist er aus dem Gefängnis entlassen und lebt auf der Straße. Zwar steht er auf einer Warteliste für Wohnungen, doch in Köln gibt es zu wenige. Noch dazu ist er arbeitslos.
Bei seinen Eltern kann er nicht wohnen, weil sein Vater nichts mehr von ihm wissen will. Doch seine Mutter hält zu ihm und hatte ihm z.B. Geld ins Gefängnis geschickt. Nur wohnen kann er dort nicht, höchstens für ein paar Nächte. Allein schon wegen seinem kleinen Bruder.
Monty hat eigentlich keine Perspektive.
Er wünscht sich eine Wohnung und eine Arbeit, dann wäre er schon zufrieden.
Vielleicht erfüllen sich eines Tages zumindest diese beiden Wünsche und er kann wieder ein halbwegs normales Leben führen.
Sein größter Wunsch wird aber nie in Erfüllung gehen – Die Zeit zurück zu diesem Tag zu drehen ist unmöglich.

