Am Rheinufer
Der Rhein fließt mit gemächlicher Geschwindigkeit. Hin und wieder schwimmt ein Boot vorbei, mal mehr, mal weniger laut.
Es ist still. Fast schon gespenstisch still ist es in der Früh. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen.
Doch da, am Rheinufer. Es sind Schritte zu hören, die schnell und konstant sind. Tipp, Tapp, Tipp, Tapp. Fast schon wie das Ticken einer Uhr.
Es ist ein Jogger, der frühmorgens ein bisschen Sport macht.
Warum er es wohl tut? Vielleicht für seine Gesundheit.
Aber wäre es nicht interessanter für den unsichtbaren Beobachter, wenn er ein Geheimnis hätte?
Es ist möglich, dass ein Problem auf ihm lastet, dass sein eigener Schatten ihn verfolgt.
Vielleicht ist der Sport sein einziger Ausweg, um aus der Realität einer geschäftigen Stadt zu flüchten, die ihm zu viel wird. Köln hat schöne Seiten, allerdings sind diese nicht immer zu sehen. Touristen sehen nur den Dom, den rauschenden Karneval und die schöne Schildergasse.
Sieht er etwas anderes in dieser Stadt?
Sind in seinem Gedächtnis nur die dunklen Gänge des Unterirdischen verankert, die keinen Anfang und kein Ende haben?
Er bleibt stehen. Schnauft kurz durch, tief saugt er die Luft ein und atmet wieder aus. Die Sonne wandert immer höher, der Jogger bleibt aber stehen. Er wandert nicht weiter, läuft nicht mehr. Stattdessen setzt er sich auf die Stufen, vor den Kranhäusern, sodass er einen guten Blick auf den Rhein hat.
Sein Blick verliert sich in den Häusern ihm gegenüber. Dort wohnen auch unzählige Menschen, wenn nicht sogar noch mehr. Sie haben auch Probleme und Sorgen, es könnte sogar sein, dass es ihnen sogar viel schlechter geht wie ihm.
Er weiß es nicht. Er weiß so wenig, dass es sich fast schon leer in ihm anfühlt. Aber niemand kann alles wissen, ein kleiner Teil reicht ja schon aus, um sich in einer Welt zu recht zu finden, die so viel größer ist, als man selbst.
Doch er ist hier. Am Rhein und atmet die frische, noch kühle Luft ein, die ihn wach hält.
Nach einer Weile sieht er auf die Uhr, steht auf und läuft weiter.
Die Zeit bleibt nie für immer stehen…
Und wenn sie es tut, so sind diese Momente unbezahlbar!
