Archiv für Juli, 2013

DANKESCHÖN!

{{BotMoveToCommons|de.wikipedia|year={{subst:CURRENTYEAR}}|month={{subst:CURRENTMONTHNAME}}|day={{subst:CURRENTDAY}}}} {{Information |Description={{de|DLF, Köln;selbst fotografiert; GNU-FDL}} |Source=Transferred from [http://de.wikipedia.org de.wikipedi

Ein großer Dank an den Deutschlandfunk, Frau Ihme und Ute Wegmann, die uns heute einen tollen Nachmittag im Funkhaus ermöglicht haben. Neben Führungen konnten wir nämlich auch unsere Radiobeiträge einsprechen und schneiden. Die Ergebnisse gibt es bald hier zu hören!

Am Rheinufer

File:Rodenkirchener Strand.jpgDer Rhein fließt mit gemächlicher Geschwindigkeit. Hin und wieder schwimmt ein Boot vorbei, mal mehr, mal weniger laut.

Es ist still. Fast schon gespenstisch still ist es in der Früh. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen.

Doch da, am Rheinufer. Es sind Schritte zu hören, die schnell und konstant sind. Tipp, Tapp, Tipp, Tapp. Fast schon wie das Ticken einer Uhr.

Es ist ein Jogger, der frühmorgens ein bisschen Sport macht.

Warum er es wohl tut? Vielleicht für seine Gesundheit.

Aber wäre es nicht interessanter für den unsichtbaren Beobachter, wenn er ein Geheimnis hätte?

Es ist möglich, dass ein Problem auf ihm lastet, dass sein eigener Schatten ihn verfolgt.

Vielleicht ist der Sport sein einziger Ausweg, um aus der Realität einer geschäftigen Stadt zu flüchten, die ihm zu viel wird. Köln hat schöne Seiten, allerdings sind diese nicht immer zu sehen. Touristen sehen nur den Dom, den rauschenden Karneval und die schöne Schildergasse.

Sieht er etwas anderes in dieser Stadt?

Sind in seinem Gedächtnis nur die dunklen Gänge des Unterirdischen verankert, die keinen Anfang und kein Ende haben?

Er bleibt stehen. Schnauft kurz durch, tief saugt er die Luft ein und atmet wieder aus. Die Sonne wandert immer höher, der Jogger bleibt aber stehen. Er wandert nicht weiter, läuft nicht mehr. Stattdessen setzt er sich auf die Stufen, vor den Kranhäusern, sodass er einen guten Blick auf den Rhein hat.

Sein Blick verliert sich in den Häusern ihm gegenüber. Dort wohnen auch unzählige Menschen, wenn nicht sogar noch mehr. Sie haben auch Probleme und Sorgen, es könnte sogar sein, dass es ihnen sogar viel schlechter geht wie ihm.

Er weiß es nicht. Er weiß so wenig, dass es sich fast schon leer in ihm anfühlt. Aber niemand kann alles wissen, ein kleiner Teil reicht ja schon aus, um sich in einer Welt zu recht zu finden, die so viel größer ist, als man selbst.

Doch er ist hier. Am Rhein und atmet die frische, noch kühle Luft ein, die ihn wach hält.

Nach einer Weile sieht er auf die Uhr, steht auf und läuft weiter.

Die Zeit bleibt nie für immer stehen…

Und wenn sie es tut, so sind diese Momente unbezahlbar!

Arbeitsweise

Jeder kennt sie. Die großartigen Werke der Autoren unserer Zeit: Es muss nur ein neuer Roman von Nickolas Sparks, Cornelia Funke oder Stephenie Meyer erscheinen und alle wollen es lesen.

Wer kennt denn nicht die sanften und doch hochtrabenden Liebesgeschichten von Sparks oder die Twilight-Saga von Stephenie Meyer, die letztendlich auch ein Riesen Kinohit geworden ist.

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Das sieht nicht nur nach Arbeit aus, das ist welche!

Aber wie entsteht eigentlich so ein Werk? Ist es einfach so von der Hand geschrieben oder wurde vorher monatelang an den Charakteren gebastelt und recherchiert?

Eines ist klar. Es war ein Haufen Arbeit.

Für uns ist es momentan nicht anders, denn wir haben gleichzeitig an zwei Strängen zu arbeiten. Obwohl dem hart ist, macht es jedoch Spaß, zusammen in der Gruppe einen Radiobeitrag zu erarbeiten und ihn bis spät Abends fertig zu stellen.

Dabei kann das Arbeitsumfeld schon einmal aus dem Ruder laufen: So verschwindet in unserem Fall das Aufnahmegerät unter einem Berg aus Nimm-zwei-Softies Papierchen, unsere Zimmerkarten sind nicht mehr von einander zu unterscheiden, es erscheinen merkwürdige Zeichnungen in den Notizbüchern und die Konzentration sinkt mit der Zeit, mal ganz abgesehen von dem vielen Lachen.

Aber ich muss zugeben, so lässt es sich am besten arbeiten…

Tag 2 – Blick ins Fotoalbum

Radioworkshop mit Ute Wegmann

Radioworkshop mit Ute Wegmann

 

Und wie geht das jetzt?

Und wie geht das jetzt?

 

Hirn braucht Nahrung!

Hirn braucht Nahrung!

 

Wie ist der Stand der Dinge?

Wie ist der Stand der Dinge?

 

Tag 1 – Blick ins Fotoalbum

Motel One

Motel One

 

Jetzt gehts los!

Jetzt gehts los!

 

Start zur Stadtrallye

Start zur Stadtrallye

 

Krümelmonsterteppich

Krümelmonsterteppich

 

Alle in der COMEDIA

Alle in der COMEDIA

 

Wir haben Hunger!

Wir haben Hunger!

 

Und sind geschafft!

Und sind geschafft!

 

Schwabenherz

Description: Brechthaus in Augsburg, Bavaria, Germany * Photographer: Peter Bubenik * Date: 2004-09-03 * First uploaded to de-Wikipedia by de:Benutzer:Wolpertinger as de:Bild:030904 augsburg-brechthaus 1-640x480.jpg * File history in de-WikipeDurch die Straßen gehend kommt das Gefühl von Heimat auf. Das Gefühl, von jedem mit einem Lächeln begrüßt zu werden, lässt nicht los.
Es nimmt sogar noch zu. Besonders an Feiertagen, freien Wochenenden, beim Schlendern durch die Altstadt, durch die Fuggerstraße, wo man an kleinen Häusern und netten älteren Menschen, die hier für wenig Geld im Monat leben dürfen, vorbeigeht, kommt Wärme auf, wenn die Sonne scheint.
Das hohe Friedensfest am 8. August zieht an keinem Einwohner vorbei, jeder profitiert davon und streckt denen, die dieses Fest nicht genießen dürfen, die Zunge raus. Denn sie leben in dieser Stadt, im Herzen von Schwaben, und in keiner anderen.
Von Zeit, Geschichte und Religion geprägt ragen Gebäude in die Höhe. Wie der Perlachturm am Rathausplatz, oder die Basilika St. Ulrich und St. Afra am Ulrichsplatz. Sie gelten als Stadtheilige. Als Stadtgöttin wurde Cisa verehrt, bevor sie langsam im Vergessenheit gerät. Heute wissen nur noch die wenigsten von ihr, obwohl sie auf einer Wetterfahne des Perlachturms abgebildet ist.

Wer schon öfter hier gewesen ist, kennt den Stadtteil Oberhausen. Es ist schwer vorstellbar, dass hier der Ursprung des Schwabenherzens liegt. Oberhausen ist mittlerweile ein Ort, an dem sich niemand gerne Nachts aufhalten würde. Dabei wurde die Stadt genau dort gegründet, vor mehr als zweitausend Jahren. Somit gilt sie als zweitälteste Stadt Deutschlands, gleich nach Trier. Vor Christus Geburt wurde hier unter dem Befehl von Kaiser Augustus ein römisches Legionslager errichtet.
Die Stadt erfuhr in ihrer Geschichte viele historische Höhepunkte. Neben der im  16. Jahrhundert vorherrschenden Position als  wichtiges Wirschafts- und Handelszentrum der damaligen Welt, hervorgerufen durch die Fugger und Welser, steht die Erfindung des Dieselmotors durch den Namensgeber Rudolf Diesel. Noch heute rollen seine Erfindungen durch Deutschlands Straßen, als Lastwagen mit einem MAN Logo auf der Nase.

Doch leider blieb auch das Herz von Schwaben nicht vom Holocaust verschont. Es ist und bleibt ein dunkler Fleck im Bewusstsein der Stadt, dass sie dem Nationalsozialismus gefolgt ist, anstatt nach zu denken und seine Einwohner zu beschützen. Denn Juden zählten richtig dazu, es gab einen Friedhof und eine Synagoge, deren Bau 1914 angefangen wurde. Sie wurde Opfer der Reichsprogromnacht: Das jüdische Glaubenszentrum wurde in Schutt und Asche gelegt.

Ein Glück, dass sie wieder erbaut worden ist. Es ist ein sehr schönes Gebäude geworden, das viele Besucher erstaunen lässt.

Die Synagoge ist aber nicht die einzige kulturelle Einrichtung, die einer Besichtigung wert ist. Das Stadttheater bietet neben gewöhnlichem Theater auch Opern an, und – was schon seit langem Kinder und auch nocht Erwachsene verzückt – die Abenteuer von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. „Eine Insel mit zwei Bergen und tiefen, weiten Meer. Mit viel Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr…“, na, klingelt da etwas? Diese Melodie sollte für Fußballfans bekannt sein – sie wird gespielt, wenn der ansässige Bundesligaverein ein Tor geschossen hat.
Zwar weniger berühmt aber nicht minder beliebt ist Urmel aus dem Eis. Dieses Puppenspiel stammt aus der gleichen Schmiede, sozusagen aus der gleiche Kiste. Read the rest of this entry »

Der Geist der Stadt

{Information |Description={{en|1=German tram sign - Beginn der Kurvenschmieranlage}} {{de|1=Straßenbahnsignal in Deutschland: Beginn der Kurvenschmieranlage}} |Source={{own}} |Author=PaulT |Date=2010-09-10 |Permission= |other_versions= }}

Kurze, schwarze Haare, Halbrandbrille, schwingender Rock, notiere ich in meinem Notizbuch und stecke den Stift wieder weg. Die Frau, die neben mir den Plastiksitz der Straßenbahn platt sitzt, lächelt mich freundlich an. Sofort krame ich wieder nach dem Kugelschreiber und kritzle: nettes Lächeln. Dann halte ich inne, der Stift bleibt über dem karierten Papier hängen.
Ein nettes Lächeln.
Was verbirgt sich wohl dahinter? Welche Abgründe lauern hinter den strahlend weißen Zähnen, den Lachfalten? Warum steigt die Frau an der Haltestelle Augustusplatz aus? Will sie sich mit einem Komplizen im Gewandhaus treffen? Missbraucht sie diese Stätte der Kultur am Ende für ihre finsteren Pläne?
Das Klingeln der Leipziger Straßenbahn holt mich aus meinen Gedanken zurück auf den Plastiksitz. Einen Augenblick lang finde ich mich nicht zurecht, hänge immer noch halb in meiner Fantasie. War ich nicht gerade noch…?
Nein.
Meine Fantasie ist mit mir durchgegangen. Und als ich auf das Notizbuch schaue, welches immer noch aufgeschlagen auf meinem Schoß liegt, muss ich grinsen. Meine Hand war so nett, sämtliche Gedankengänge mitzuschreiben. Ich bedanke mich im Stillen bei ihr.

Ich lese meine Notizen, als wären es nicht meine eigenen. Als hätte der Geist der Stadt und der Geist ihrer Leute meine Hand geführt und mir die perfekte Antagonistin für meine nächste Romanidee beschert. Dann verlasse auch ich die Straßenbahn und steige auf automobile Fortbewegung um. Der Geist der Stadt, wie ich ihn insgeheim nenne, lässt mich den ganzen Tag nicht mehr los. Ich weiß nicht, wie er es anstellt, aber er hat mir die Augenlieder angehoben und hält sie tapfer in Augenbrauenhöhe gestemmt. Ich sehe die Stadt in einem ganz anderen Licht.
Die einfallslosen Graffitis an den Wänden herrenloser Häuser leuchten plötzlich mit einer Energie, die die billige Sprayfarbe niemals hergeben würde. Sie schreien mich geradezu an, ich solle hinter ihre Fassade blicken und all die Inspiration aufklauben, die sie für mich versteckt haben. Die Schlaglöcher auf den vom Nachmittagsverkehr gebeutelten Straßen sind zu Stoßgebern für meine Gedanken geworden und rütteln an der verstaubten Kiste, die in meinem Kopf für die Ideen zuständig ist.
Kiste. Kistenhüter. Ein Schlagloch schenkt mir ein neues Wesen für die Welt, in der ich eine Fantasiegeschichte schreiben will und eine kurzhaarige Drogerieverkäuferin mutiert zum Vorbild für diese Kistenhüter.

Ich habe immer gedacht, Städte könnten nicht schön sein. Es gibt schöne Plätze, aber ebenso die Orte, die man nicht sehen will. In jeder Stadt ist es so und das hat sie für mich langweilig gemacht, weil sie alle gleich waren.
Doch der Geist meiner Stadt hat beschlossen, mir mit aller Kraft zu beweisen, dass Leipzig nicht nur die Ansammlung von Altbauten und Plattensiedlungen ist, für die ich es immer gehalten habe. Es sticht mir die Schönheit von Brücken, Parkanlagen und Denkmälern geradezu in die Netzhaut, es tut fast schon weh.
Weh tut auch mein Kopf, denn die Kiste in meinem Hinterstübchen ist übergelaufen und schleudert mir die Ideen durch die Gehirngänge. Immer wieder muss ich mitten auf einem baumwurzelzerstörten oder hundekotverseuchten Gehweg stehen bleiben, um Dinge zu notieren, von denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie später noch verstehe.
Doch auf einmal erstarrt der wirre Gedankensalat in meinem Kopf. Ich stehe im Clara-Zetkin-Anschluss und sehe zu, wie die Dunkelheit die Bäume verschluckt. Nur die Brücken hat sie mir zur Betrachtung gelassen. Hell werden sie angestrahlt. Und da glaube ich plötzlich, die Antagonistin auf einer der Brücken stehen zu sehen. Ich kneife die Augen zusammen. Ja, schwarze Haare, das Lächeln, der Rock.
Gedankenverloren lehnt sie sich über das Geländer. Ein Jogger erklimmt den Anstieg der Brücke und rempelt die Dame an. Sie strauchelt und fällt beinahe. War das der Komplize, den sie im Gewandhaus getroffen hat? Hat er ihr gerade einen Zettel zugesteckt? Ein Päckchen vielleicht? Am Ende noch eine Bombe?
Um das herauszufinden eile ich ebenfalls zur Brücke und geselle mich zu der Frau. Ich weiß ja, dass sie hinter ihrer Fassade nur Böses versteckt und die ganze schöne Stadt mit Sprenggraffitis und Briefbomben in Schutt und Asche legen will, doch ich kann ihrem netten Lächeln nicht standhalten und frage sie, ob es ihr gut geht. Sie bejaht und ich bin erleichtert. Doch dann entdecke ich das Notizbuch, welches ihr aus der Tasche gefallen ist. Ich hebe es auf und starre es misstrauisch an. Hat sie Informationen über mich gesammelt? Will sie mich zu ihrem ersten Opfer auf dem Weg zur Weltherrschaft machen?
„Ich schreibe, wissen sie?“ Die Frau lächelt verlegen und greift nach ihrem Notizbuch. Sofort beginnen meine Gedanken wieder damit, Purzelbäume zu machen und sie hören auch nicht damit auf, als ich wieder allein auf der Brücke stehe.
Sie schreibt? Wie ich? Seelenverwandtschaft? Was schreibt sie denn? Hat auch sie sich vom Geist der Stadt einfangen und führen lassen?
Bin ich am Ende noch ihre nächste Antagonistin?
In all dem Durcheinander finde ich gar keine Zeit für einen dankenden Gedanken an diese sprudelnde Quelle von Idee und Inspiration, einen Dank an den Geist meiner Stadt.

Liv ist 15 Jahre alt, lebt in Leipzig und das ist ihr Bewerbungstext für die Sommerakademie.

(M)eine Stadt

CopyrightOlgaOhlssonSommer. Das Flugzeug kreist über dem südchinesischen Meer. Langsam bekommt man einen Blick auf die Stadt. Das Wasser ist stechend blau. Bilderbuchblau. Blau ist es hier immer, am Tag hellblau, in der Nacht dunkelblau. Grau ist es nur, wenn es so sehr stürmt, dass man das Haus nicht verlassen sollte.
Das Flugzeug landet sachte auf der Landebahn, die bis in das Wasser reicht.
Es ist brennend heiß. So heiß, dass man denkt, der Asphalt würde einem unter den Füßen wegschmelzen. So heiß, dass die Köpfe der hektisch herumrennenden Gestalten glühen. So heiß, dass man eigentlich nicht hinausgehen möchte.
Drinnen ist es eiskalt. Kalt wie im Winter, man möchte eigentlich seine Winterkleidung aus dem Koffer kramen. Blöd, ich habe keine Jacke dabei.

Der Flughafen ist überfüllt und vollgestopft. Vollgestopft mit Menschen, die herumschlendern, auf der Suche nach Freunden, Verwandten, einem bestimmten Laden. Nach stundenlangem Suchen finde ich meinen Koffer. Endlich raus hier, noch denke ich, dass sich die Menschenmengen draußen verlieren würden.
Raus in die Freiheit. Es ist wieder unangenehm heiß. Schnell zum Auto laufen, dort ist es wieder angenehm kühl. Ich darf vorn sitzen, also laufe ich auf die rechte Seite des Autos. Doch hier fährt man auf der linken Seite der Straße, also sitzt der Beifahrer links, nicht rechts. Anders.

Alles hier ist so anders.

Endlich fährt das Auto weg vom Flughafen auf die Straße. Nicht nur der Flughafen war überfüllt, auch auf der Straße fahren die Autos dichtgedrängt aneinander. Es ist so brechend voll, dass ich den Überblick verliere.

Sommer. Hitze. 30Grad, manchmal sogar 40 Grad heiß. Ich bin auf der Suche nach Antworten. Antworten auf Fragen, die ich noch nicht gestellt habe, geschweige denn, dass sie mir bekannt wären.

Das Auto wird wieder langsamer. Ich werfe einen Blick hinaus auf die dicht besiedelten Straßen. Menschen schlurfen in schnellen Schritten über die Straßen, fast schon hektisch. Links von mir spielen Kinder an ihren Handys, rechts von mir sitzen alte Damen, die die Szene beobachten, genauso wie ich, nur ist es für sie grauer Alltag geworden. Neben ihnen sitzen ihre ebenso alten Ehegatten. Sie spielen Mahjong oder lesen in ihrer Zeitung, immer darauf bedacht, nicht zu sehr aufzufallen.

Die Restaurants sind zu dieser Zeit voll besetzt. Kaum einer sitzt um diese Uhrzeit zuhause, die Küchen sind zu klein zum Kochen, die Wohnungen zu klein um die Familie einzuladen. Alle sitzen sie an runden Tischen. Man lacht, tauscht sich aus.

Sommer. Alles ist mir fremd. Das soll also meine Stadt werden.

Spätsommer. Die Luft ist immer noch unangenehm warm, drinnen ist es immer noch bitterkalt. Doch das stört mich schon lange nicht mehr, ständig schleppe ich eine Jacke mit mir rum, ich weiß nun was mich drinnen erwartet.

Ich sitze jetzt selber an den runden Tischen in den gutbesuchten Restaurants. Ob mit Freunden, meiner Familie oder sogar mit komplett fremden Menschen. Ich sitze dort und esse. Nein, ich esse nicht einfach, ich probiere, denn alles, was ich zu mir nehme, ist so neu. Mal schlinge ich, weil es nicht schmeckt, mal genieße ich richtig. Jedes Essen ist ein neues Erlebnis. Ich bin Spaghetti gewohnt. Kartoffelpüree, Karotten, Steak, Hühnchen. Doch jetzt esse ich Reis. Reis mit Ochsenzunge, Muscheln, Schnecken und Hühnerfüßen. Die Reste spuckt man einfach auf den Tisch.

Irgendwo läuft immer der Fernseher. Es laufen chinesische Dramen, die im angeblich 18. Jahrhundert spielen sollen, doch die Ausstattung ist schlecht. In den Räumen stehen moderne Lampen, die Schauspieler haben Handys, in ihren Taschen. Es gibt eine Menge Werbung. Ob in den Werbepausen in Fernsehen oder auf der Straße. Leuchtreklamen schmücken die Hauswände, und taucht die Silhouette der Stadt in ein buntes Lichtmeer. Die Lichter gehen niemals aus, es ist fast so, als würden sie einen beobachten. Egal, ob es die Lichter in den Häusern sind, in denen Familien sich für die Nacht fertig machen, oder die Lichter in den Treppenhäusern, die Lichter in den Läden und Schaufenstern oder die Lichter der Autos und Busse die niemals stillstehen.

Auch mitten in der Nacht sind hier noch tausende Menschen unterwegs. Menschenmassen wie wir sie aus Deutschland nicht kennen.

Herbst. Endlich kühlt es ein wenig ab. Endlich habe ich Fragen gefunden, die ich stellen kann. Doch niemand hat eine Antwort. Niemand außer der Stadt.

Die Stadt richtet nicht. Für sie sind wir alle gleich, sie bevorzugt niemanden, und lässt niemanden zurück. Doch woraus besteht die Stadt eigentlich?

Herbst. Die Zeit, in der es Spaß macht, an den Strand zu gehen. Endlich kann man in der Sonne liegen, ohne gegrillt zu werden. Das Wasser hat eine perfekte Temperatur. Gerade so kalt, dass man abgekühlt wird. Man liegt am Strand während 500 Meter weiter riesige Hochhäuser aus der Erde ragen.

Man liegt man Strand während 500 Meter weiter riesige Berge zum Himmel ragen. Alles auf einmal. Berge, Meer, Großstadt. Read the rest of this entry »

Die Sache mit dem guten Stil

 

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Guter Stil hat nicht unbedingt etwas mit guter Erziehung zu tun. In unserem Fall ist er eher eine Frage der Schreibe und der Übung. Wie eigentlich immer im Leben. Theoretisch ist es ganz einfach:

1. Sei sparsam mit Adjektiven!

Sie blähen einen Text auf und dienen der Faulheit des Autors. Sie sind nur erlaubt, wenn sie zur Beschreibung notwendig sind. Sobald sie nur Zierrat werden – streichen!

2. Vorsicht bei Synonymen!

München ist München und nicht Isarmetropole. Mond ist Mond und nicht Erdtrabant. Hund ist Hund und nicht Vierbeiner. Jemand sagte lieber viermal etwas, als dass er hintereinander meinte, glaubte, anfügte und lächelte.

3. Benenne, was du siehst! 

Nicht Unterhaltungselektronik, wenn Fernseher und Stereoanlage gemeint ist. Nicht Bäume, wenn es Eichen sind. Bevor nur „recht wenige Menschen in diesem   Nachtbus mitfahren“ genauer sein, sind es drei oder zehn?

4. Klarer Satzbau, bitte!

Hauptsätze sind gut zu lesen. Eingeschobene Nebensätze machen das Lesen mühsam. Schachtelsätze sind verboten. Wenn Nebensatz, dann ordentlich anhängen. Beispiel:

Klarer Satzbau: Der Nachbar gießt die Blumen. Er ist erst gestern eingezogen, in die Wohnung gegenüber. Die stand lange leer, weil sie renoviert wurde.

Klarer Satzbauch: Der Nachbar, der erst gestern in die Wohnung gegenüber, die so lange leer stand, weil sie renoviert wurde, eingezogen ist, gießt die Blumen.

Merke: Subjekt und Prädikat eines Satzes gehören möglichst eng zusammen.

5. Hände weg von Phrasen!

Alle Konstruktionen, die wir vorgefertigt aus dem Satzbau-Regal nehmen sind Phrasen und damit kein guter Stil. Es gibt bekannte Phrasen wie:

Wenn es am schönsten ist, soll man… / Die Spitze des Eisbergs / Das Auge isst mit / Die Chemie hat nicht gestimmt / Die Zeit vergeht wie im Flug / Ding der Unmöglichkeit / Bretter, die die Welt bedeuten / Im Dunkel tappen / Im Nebel stochern etc.

Und getarnte Phrasen: Überwältigende Mehrheit / bleibt abzuwarten, ob… / das trügerische Idyll / die fieberhafte Suche / fester Boden unter den Füßen etc.

6. Wir brauchen keine Füllwörter!

Sie flutschen in jeden Satz und verwässern ihn. Weg damit: Allenfalls / allesamt / bei weitem / bekanntlich / demgegenüber / demgemäß / durchaus / erheblich / ergo / folglich / fraglos / gleichwohl / hinlänglich / insbesondere / jedenfalls / lediglich / letztlich/ mithin / naturgemäß / schlichtweg / sozusagen / überhaupt / unzweifelhaft / wohlgemerkt / zweifelsohne

 Achtung, es gibt noch hunderte Füllwörter mehr!

7. Hüte dich vor Behördendeutsch!

Wer bei Ämtern, Pressesprechern, Politikern und Verbänden recherchiert, betritt ein ganz neues Sprachfeld, das meistens nichts mit gutem Schreibstil zu tun hat. Bloß nicht anstecken lassen! Bei allen substantivierten Verben und Adjektiven darfst du misstrauisch werden. Signale sind Endungen auf –keit und –ung. Meistens sind die einfachen Verben schöner.

Zum Beispiel: Verantwortung / Eignung / Instandsetzung / Befahrbarkeit / Überprüfung, Haftung / Widerstandsfähigkeit etc.

Das sagen nur Politiker und Behörden: Wohnhafte / Minderjährige / Stimmberechtigte / Entgelte / Kontaktaufnahme / Nichtbeachtung / Mobilisierung etc.

8. Fange den Satz nicht mit einem Umweg an!

Doch / Aber / Immerhin / Und / Da / Um. Ein guter Satz braucht solche scheinbaren Anschlüsse an den vorherigen Satz nicht. Meistens kannst du diese Füllwörter einfach streichen.

9. Ein Auge auf Satzzeichen

Punkt, Komma, Strich helfen uns, einen Text zu strukturieren. Vor allem der Gedankenstrich bietet eine gute Abwechslung im Satzbau – solange er nicht zu oft eingesetzt wird. Für den Doppelpunkt gilt: Er kann als Scharnier in einem Satz dienen und den Rhythmus eines Textes beschleunigen. Häuft sich der Doppelpunkt, wirkt er aber plump.

10. Fertig? Lese Dir deinen Text leise vor!  

Beim Lesen merkst du, welche Sätze kompliziert sind, welche Wörter sich doppeln und wo sich der Leser langweilen könnte.

Und wie schreibt man nun eine Reportage?

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Wir haben die Reportage nicht erfunden. Und weil die Kollegen der Sommerakademie 2012 alles Wichtige auf den Punkt gebracht haben, freuen wir uns, dass wir das weitergeben können:

1. Vorrecherche

Eignet sich das Thema für eine Reportage?

Sammeln von Fakten zum Thema. Einfach nur hingehen und sich umschauen reicht nicht. Vorwissen vor Ort hilft, wichtige Details von unwichtigen zu unterscheiden und die richtigen Fragen zu stellen.

Eine These entwickeln: Wissen, was man mit dem Text zeigen will.

Für eine gute Geschichte ist es wichtig, gute Protagonisten zu finden.

Die Frage ist: Welche Protagonisten transportieren das, was ich transportieren will?

Ort des Geschehens: Den richtigen Schauplatz finden.

Interaktion ist wichtig: In der Interaktion gibt der Protagonist oft mehr über sich Preis als in einer klassischen Interviewsituation.

2. Vor Ort

Eine Reportage lebt von den Eindrücken, die der Reporter auf seiner Recherche gesammelt hat.

Der Leser war nicht da, der Reporter muss ihm vermitteln, wie es vor Ort war:

Grundregel: Alles sehen, hören, riechen, sogar anfassen.

Nicht nur wahrnehmen, was jemand sagt, sondern auch, wie er es sagt.

Sprechende Details:

Entscheiden, welche Eindrücke bedeutend waren und welche nicht.

Die kleinen Dinge sehen und ihre Größe begreifen. Kleinigkeiten können sehr bedeutsam sein.

Lieber beschreiben als ein Adjektiv oder einen Sammelbegriff zu verwenden.

3. Das Schreiben der Reportage

Der Einstieg

Über die Hälfte der Leser hört nach dem ersten Satz auf zu lesen, weitere 25% nach dem ersten Absatz. Deshalb ist der Einstieg das Wichtigste.

Den Leser gewinnen, ihn überzeugen, dass er sich die Zeit nehmen soll, die Geschichte zu lesen.

Starke Szene, mit Tempo, Signalwörtern: Spannung erzeugen, indem man dem Leser ein Rätsel aufgibt.

Portal

Einordnender Abschnitt nach dem Einstieg: Erklärt dem Leser, warum die Geschichte wichtig ist und warum er weiterlesen soll.

Das Portal ist die Verbindung des Einstiegs mit dem Hauptteil.

4. Weitere Struktur

Die Reportage ist eine Mischung verschiedener Elemente: Szenen und Eindrücke + Hintergrundinformationen und Fakten
Fahrplan zurecht legen (Post-Its).

Szenen und Hintergrundteile sollen logisch ineinander greifen: Roter Faden, Leitgedanke.

Schluss:

Den Leitgedanken wieder aufgreifen: Starke Szene.

Klammer, Bezug nehmen auf den Anfang: Kein neues Thema anreißen.